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Arrachages, 2012


Wenn ich mit Papier beschäftigt bin, bin ich oft positiv überrascht. Papierarbeiten sind meinen Arbeiten auf Leinwand immer einen Schritt voraus. Sie erreichen  eine "freiere" Entwicklung, eine schnellere Ebene der Reflexion als in der Malerei selbst (Gemälde). Für mich wirkt die Malerei manchmal ähnlich wie  Foto-Abzüge: perfekt und geschlossen. Deswegen denke ich ab und zu: Meine Papierarbeiten sind einfach schlauer als meine Bilder: Vielleicht billigen die Gemälde, was ich zuerst im Papierlabor gefunden habe. Aber ich weiß, dass in der künstlerischen Arbeit die Frage der Chronologie besonders komplex bleibt…


Galerie Zweigstelle Berlin, Dezember 2010:







    Arrachage (Abreißen)
 


Im Gegensatz zu gerahmter Leinwand ist Papier ursprünglich nicht gespannt. Vielleicht macht diese Trägheit es zugänglicher und empfänglicher für etwas, was man sich einer Leinwand gegenüber nur äußerst selten traut. Das Papier erlaubt, es befiehlt nicht. Ich habe mir also erlaubt, es schlecht zu behandeln: es zu zerschneiden, zu bekleben, zu bemalen, es abzureißen, es zu übermalen, um es dann teilweise noch mal abzureißen und noch mal zu übermalen. Zuweilen bleibt von der ersten Collage nichts mehr übrig, alles wurde abgerissen, bis auf ein paar Spuren hier und da. Obwohl es nur sehr selten vorkommt, dass man ein Werk von Anfang bis Ende kontrolliert, werden die Gesten routiniert und systematisch.
In dieser aus 100 Arbeiten auf Papier bestehenden Serie, ging es darum, durch das Abreißen Überraschungsräume entstehen zu lassen. Ausgehend von einer neuen Anordnung, die durchs  Abreißen entsteht, zeichnet sich ein neuer Vorschlag ab, den ich, im Gegensatz zur Collage, nicht beherrsche. Meine Arbeit besteht darin, eine Orientierung zu finden, die es ermöglicht, dass alle Teile miteinander harmonieren. Das bedeutet, wieder in Ordnung zu bringen, was bereits vor meinem Eingreifen in Ordnung war, als alles noch weiß war.
Warum 100? In dieser Konstellation, in der es darum geht, loszulassen, die Kontrolle aufzugeben und wieder neu aufzubauen, werden stilistische Kriterien durch die Menge verdrängt, und zwar zugunsten der Entwicklung und der Transformation der Form. 

Übersetzung Laetitia Roy


                                                        Arrachage

A la différence de la toile sur châssis, le papier lui n'est pas tendu au départ. Peut-être est-ce cette inertie qui le rend accessible, propre à recevoir ce que face à sa toile on ne s'autorise que très rarement. Le papier autorise, il n'ordonne pas. Je me suis donc autorisée à le maltraiter: le découper, le coller, le peindre, l'arracher, le peindre à nouveau pour l'arracher encore parfois et le repeindre. Parfois il ne reste plus rien du premier collage, tout à été arraché, seulement quelques traces ici et là.

     Bien que le contrôle d'un travail du début à son achèvement n'existe que très rarement, les gestes prennent des habitudes, des systèmes se mettent en place. Dans cette série de 100 papiers, il s'agissait par l'arrachage de ménager des espaces de surprise. A partir d'un nouvel agencement apporté par l'arrachage, se dessine une nouvelle proposition qui échappe à mon contrôle contrairement au collage. Mon travail consistait à trouver un axe qui permette à toutes les parties de s'entendre. C'est-à-dire de remettre en ordre ce qui était déjà en ordre, avant mon intervention, quand tout était blanc.
     Pourquoi 100 ? Dans cette configuration, c'est-à-dire en cherchant à échapper au contrôle et à reconstruire autrement, la quantité évacue la question d'un choix stylistique au profit du développement, de la transformation de la forme.



Each, acrylic on paper and cardboard, 32x24cm




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